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Gàidhlig
(Schottisch-Gälisch)


Sprachliches

Geschichte

Gegenwart

Gàidhlig in Kanada

Zukunft

Weitere Infos







Einführung in die schottisch-gälische Sprache: Gàidhlig

Das Sprachgebiet dieser keltischen Sprache befindet sich im nördlichsten Teil der britischen Hauptinsel, in Schottland. Schottisch-Gälisch wird dort heute noch von etwa 69.000 Menschen gesprochen. Die Volkszählung von 2022 ergab sogar gemessen an 2011 einen Anstieg um 11.000 gälischsprachige Personen, in dem die steigende Zahl jüngerer Sprecher den Verlust der älteren Jahrgänge erstmals wettgemacht hatte. Insgesamt nutzten knapp 25.000 Schotten Gälisch als 'home language' im Jahre 2011. Als Umgangssprache wird Gàidhlig auf den Inseln der Äußeren Hebriden, in kleineren Siedlungsgebieten an der Westküste des Hochlandes (namentlich in Ardnamurchan und Wester Ross) sowie auf den Inseln der Inneren Hebriden (vor allem Skye, Tiree, Mull und Islay) verwendet. Darüberhinaus gibt es eine bedeutende urbane gälische Kulturszene im Großraum Glasgow sowie eine kleine Sprachgemeinschaft (etwa 2.000) in der kanadischen Provinz Nova Scotia (Neu-Schottland). Die Sprache war einst über den größten Teil Schottlands verbreitet und wurde über die Jahrhunderte durch offizielle Diskriminierung zurückgedrängt. Heute gibt es eine sehr starke Bewegung zur Unterstützung der Sprache, deren Tod vor nicht allzulanger Zeit noch als unausweichlich bezeichnet wurde. Die Zahlen der gälischsprachigen Vorschulgruppen (Cròileagan) und Grundschulklassen mit gälischer Unterrichtssprache (Gaelic medium units) verzeichnen einen kontinuierlichen Anstieg. Auch die Zahl der Lernenden aller Altersklassen wächst stetig. Im Frühjahr 2005 sind endlich auch Gesetzgebungsaktivitäten im neuen Schottischen Parlament abgeschlossen worden, mit einem "Gaelic Language Act" Gàidhlig wieder offiziell als eine Sprache Schottlands anzuerkennen.



Sprachliches

Gàidhlig zählt zum goidelischen Zweig der keltischen Sprachen und ist damit eng mit dem irischen Gaeilge oder dem auf der Insel Man gesprochenen Gaelg Vanninagh verwandt. Etwa im 4. und 5. Jh. n. Chr. wurde das Gälische aus Irland nach Schottland herübergebracht, erst im 13. Jh. jedoch entwickelte sich die Sprache in Schottland so eigenständig, dass man von jener Periode von einer schottisch-gälischen Sprache ausgehen kann. Das Sprachgebiet erreichte im 9. bis 11. Jahrhundert seine weiteste Ausdehnung, nur sehr kleine Teile Schottlands blieben auch in dieser Zeit mehrheitlich unter skandinavischem oder angelsächsischem Kultur-Einfluss. Die älteste überlieferte Dokumentation des Gälischen in Schottland stellen gälische Notizen aus dem 12. Jh. in einem klösterlichen Buch (Book of Deer) aus der Umgebung von Aberdeen dar. Die literarische Tradition beruhte aber auch weiterhin auf der mündlichen Überlieferung. Berühmt sind hier besonders die gälischen Sagengeschichten der Feinne mit dem Riesen Fionnghail (Fingal) und dem Dichter Oisein (Ossian). Ein 1751 erschienener Gedichtband des herausragenden Schriftstellers Alasdair MacMhaighstir Alasdair (ca. 1695-1770) war das erste nichtkirchliche Buch in schottisch-gälischer Sprache überhaupt. Zu den ohne Zweifel größten Dichtern ihrer Zeit gehörten die Poetin Sìleas na Ceapaich (ca. 1660-1729), Donnchadh Caimbeul Gleann Urchaidh (ca. 1443-1513), Muireachadh Albannach O`Dálaigh 1200-1224) sowie der bedeutendste Schriftsteller im 20. Jahrhundert Somhairle MacGill-Eain (1911-1992). Breite Schichten der nicht-gälischen Bevölkerung Schottlands und darüberhinaus eine weltweite Fan-Gemeinde erreichten in den vergangenen Jahren zweifelsohne die Rockband Runrig und die Folkgruppe Capercaillie. Sie bewiesen eindringlich, dass Gàidhlig auch die moderne Popkultur bereichern kann.

Das Sprachgebiet verblieb stets so homogen, dass sich keine sehr stark voneinander unterscheidenden Dialekte entwickeln konnten. Es traten natürlich lokale Unterschiede auf, doch generell konnten sich die Menschen untereinander sehr wohl gut verständigen. Das Schriftbild der modernen Sprache kennt nur 18 Buchstaben, deren Aussprache sich jedoch je nach Position in einem Wort unterscheiden kann. Ähnlich wie im Irischen gab es neueren Datums Anstrengungen zur Harmonisierung der Schriftsprache, was in Schottland u.a. zur Reduzierung auf einen einzigen Akzent für die Vokale e, o und u geführt hatte.

Details zur Orthographie, Aussprache und anderen grammatikalischen Besonderheiten des Schottisch-Gälischen sind (in englischer Sprache) sehr gut unter Omniglot und Wikipedia beschrieben. Die deutschsprachige Version von Wikipedia ist nicht identisch und komplementär.


Geschichte

Die goidelische Sprache war durch irische Stämme (u.a. der Skoten) im 4. und 5. Jh. n. Chr. in die westlichen Distrikte von Argyll gebracht worden. Es dauerte noch weitere viele Jahrhunderte, bis im Jahre 1018 die goidelische Kultur des schottischen Königreichs auch in den südöstlichen Gebieten um Glasgow, Edinburgh und Berwick dominierte. Einzelheiten dieser Verdrängung von Pikten, brythonisch sprechenden Kelten und Angelsachsen werden auf der Seite Geschichte von LINGUAE CELTICAE dargelegt. Bis 1286 dauerte es aber noch, bis die Norweger endgültig die Hebriden, Sutherland, Caithness und die Insel Man verloren geben mussten. In dieser Zeit durchdrang die goidelische Sprache fast die gesamte Gesellschaft Schottlands und wurde auch in weiten Teilen des Adels gepflegt. Der Stern des Gälischen begann aber bereits im Jahre 1070 zu sinken, als Calum III die englische Prinzessin Margaret heiratete. Die keltische Monarchie wandelte sich in den folgenden zwei Jahrhunderten in einen Feudalstaat, dessen Form stark vom normannischen England beeinflusst wurde. Mit der anglo-normannischen Infiltration am Hofe ging langsam der Übergang vom Gälischen ins Englische in der adligen Oberschicht und den wenigen Städten des Südostens einher. Der Zustrom von Normannen, Flamen und Engländern blieb aber zahlenmäßig klein und beschränkte sich zudem auf den Landesteil Lothian mit dem Zentrum Edinburgh. In der Regierungszeit von Alasdair III (Alexander III) Ende des 13. Jh. wurde das Land dann in drei Verwaltungsbereiche aufgeteilt: In das weitgehend anglisierte Lothian und die beiden gälischsprachigen Gebiete Gallghallaibh (Galloway) und Alba (Gebiet nördlich von Clyde und Forth). Mit dem 14. Jh. endete dann auch der Gebrauch des Gälischen am Hofe; mittlerweile hatte sich das Idiom so weit vom Irischen entfernt, dass Linguisten von einer selbständigen schottisch-gälischen Sprache ausgehen.

Die folgenden Jahrhunderte waren insbesondere geprägt von fast ständigen Auseinandersetzungen mit und Einmischungen durch den mächtigen südlichen Nachbarn. Dies hatte einschneidende Bedeutung für das Vordringen der englischen Sprache in den priviligierten Kreisen des Staates und den wirtschaftlich erstarkenden Küstenstädten. Auf der anderen Seite waren weite Gebiete Schottlands nur nominell im Machtbereich schottischer Könige. So erklärte sich 1354 das einflussreiche Oberhaupt des Clans Dòmhnall (MacDonald) zum Tighearnan nan Eilean ("Lord of the Isles") und manifestierte damit die Unabhängigkeit der gälischen Clans des westlichen Schottlands. Bis 1493 herrschten er und seine drei Nachfolger absolut über die Hebriden und das nordwestliche Hochland, in dem die keltische Gesellschaftsstruktur unangetastet blieb. Die gälische Dichtkunst wurde damals maßgeblich von den traditionellen Hofbarden bestimmt, unter denen vielleicht Lachlann MacMhuirich und Giolla Crìost Brùilingeach am bekanntesten waren. Mit dem Untergang des "Lordship of the Isles" begann der Umburch im Clansystem des westlichen Hochlandes. Das Verhältnis zwischen Führern und Angehörigen eines Clans veränderte sich mehr und mehr in feudalistische Richtung analog zum anglisierten Osten des Landes. Die entstandene offene Feindschaft zwischen Staat und Kirche aber wurde zum Hauptgrund für den Rückgang der gälischen Sprache. Der Kirche war die Sprache ein Dorn im Auge, weil sie die Verbreitung des Protestantismus nach englischem Stil behinderte. Seit 1603 (der Personalunion zwischen Schottland und England) erschien Gälisch überdies als Widerstandsbasis gegen die Union. Gälisch wurde fortan nicht mehr als Schottisch, sondern als "Erse" (Irisch) bezeichnet. Dafür wurde der englische Dialekt Schottlands "Scots" genannt. In den leicht zugänglichen und fruchtbaren Landstrichen von Fife und den nordöstlicher gelegenen Grafschaften von Angus und Aberdeen übernahm der englische Dialekt Schottlands insbesondere im 15. Jh. die Oberherrschaft. Im südwestlichen Galloway konnte sich Schottisch-Gälisch bis ins 17. Jh. als Umgangssprache neben "Scots" behaupten.

Im 17. Jh. wurde das machtpolitische Kräftespiel durch den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem katholischen Königshaus der Stuarts und der Reformationsbewegung bestimmt. In den verbliebenen katholischen Bastionen von Irland und Nordschottland brachte die Verfolgung Andersgläubiger starke gesellschaftliche Umwälzungen mit sich. Die gälische Literatur zu jener Zeit befasste sich intensiv mit dieser unruhigen Zeit, wie Iain Lom und Mairearad Nighean Lachlainn in ihren Versen bewiesen. Zwei weitere bedeutende Dichterinnen jener Zeit waren Sìleas na Ceapaich und Màiri Nighean Alasdair Ruaidh. Die gälische Dichtung wurde fortan von ungelernten Barden weiterentwickelt im Gegensatz zu ihren traditionell ausgebildeten Vorfahren. Das schottische Liedgut wurde durch viele Kompositionen von Ruaraidh MacMhuirich bereichert, der besser unter dem Namen An Clàrsair Dall ("der blinde Harfenspieler") bekannt wurde. Wie auch die zeitgenössischen Werke walisischer und irischer Poeten wurden diese Werke von der introvertierten ("Gods own People") anglo-schottischen Gesellschaft ignoriert. Mit der Verlagerung des königlichen Hofes nach London verstärkte sich überdies die Anglisierung der Oberschicht im Hochland noch weiter: Die kulturelle Spaltung Schottlands wurde immer augenscheinlicher. Die endgültige "Vereinigung" des Landes mit England im Jahre 1707 war hier nur ein konsequente Entwicklung, obwohl das schottische Adelsparlament auch nur durch Bestechung seiner Selbstauflösung zustimmte.

Zu Beginn des 18. Jh. war Schottisch-Gälisch als allgemeine Umgangssprache auf das Hochland und die Inseln beschränkt, wo es sich auch bis Anfang des 20. Jh. behaupten konnte. Dies ist eigentlich ein sehr großes Wunder angesichts der dramatischen Implikationen der jakobinischen Aufstände, den darauffolgenden Strafaktionen der "britischen" Krone und den weitgehenden "Highland Clearances" ("Hochlandsäuberungen") im 19. Jh. Nach dem letzten erfolglosen Aufstand der katholischen Anhänger von Prinz Charles Edward Stuart 1745-46 war Schottland praktisch nichts mehr als eine Provinz Englands. Nach der Schlacht von Culloden 1746 rechnete die Obrigkeit mit ihren unbotmäßigen Untertanen ab. Kilt und Dudelsack blieben jahrzehntelang verboten, da sie unter das "Entwaffnungsgesetz" fielen. Die Unterdrückung der gälischen Kultur traf danach auch jene zahlreichen Hochländer, die dem Londoner Königshaus gegenüber loyal geblieben waren. Dennoch brachte die gälische Sprache im 18. Jh. einige ihrer wohl bedeutendsten Poeten hervor wie Donnchadh Bàn Mac an t-Saoir in Argyll, Rob Donn in Sutherland und Dùghall Bochanan in Perthshire. Kaum hatte sich die Hochland-Gesellschaft von der Unterdrückung ihrer eigenen Kultur erholt, wurden Anfang des 19. Jh. weitreichend neue landwirtschaftliche Nutzungsmethoden durch die großen Landbesitzer eingeführt. Um die Schafzucht in großem Stil zu betreiben, mussten die gälischen Kleinbauern aus ihren angestammten Siedlungen vertrieben werden. Wenn dies nicht freiwillig durch "Überredung" glückte, wurde dabei auch Gewalt angewendet. Eine große Zahl von Menschen wurden so aus ihrer Heimat vertrieben. Sie kehrten als Auswanderer ihrer Heimat den Rücken oder fristeten in neu angelegten Crofting Townships auf kargen Böden ihr Dasein. Die berüchtigsten dieser "Highland Clearances" fanden zwischen 1810 und 1860 in den westlichen Hochlanddistrikten und auf den Hebriden statt. Erst am Ende des 19. Jh. wurden die Rechte der Kleinbauern ("Crofter") vom Parlament anerkannt.

Die Jahreszahl 1872 hatte für das britische Bildungssystem eine besondere Bedeutung. In dieser Zeit wurde das Schulsystem aus der Trägerschaft kirchlicher und privater Organisationen in eine überwiegend staatliche Obhut übernommen. In den dafür erlassenen Bestimmungen war nur Platz für englische Sprache, Kultur und Selbstverständnis. Es war verboten, in den Schulen Gälisch, Irisch oder Walisisch zu sprechen. So wurde das Bildungssystem zur wirkungsvollsten Waffe der Anglisierung. In der Volkszählung von 1891 zeigten sich noch 254.415 Personen in Schottland des Gälischen mächtig. Das gesamte Hochland und die Hebriden waren gälischsprachig. Innerhalb von zwei Generationen sollte die gälische Sprache auf die Hebriden und die Nordwestküste des Hochlandes zurückgedrängt werden (Details zu dieser Entwicklung sind auf der Seite Regionale Studien zu Schottisch-Gälisch beschrieben). Obwohl sich diese Entwicklung bis weit nach dem 2. Weltkrieg ungehindert fortsetzte, konnte die Sprache doch weiter einige Dichter von Format hervorbringen, vor allem Deòrsa Caimbeul Hay, Somhairle MacGill-Eain und Ruaraidh MacThòmais. Psychologisch war die Sprachgemeinschaft im 20. Jh. derart angeschlagen, dass es sehr viele Eltern zu verhindern suchten, dass ihre Kinder Gälisch sprechen konnten (s. auch Ausführungen auf der Seite Einführung). Das niederschmetternde Ergebnis der anglophilen Bildungspolitik wurde 1957 in einer Studie überdeutlich, die weniger als 4.000 Muttersprachler des Gälischen in den Grundschulen der Hochlandgrafschaften registrierte. Die Sprache war in der jüngeren Generation nur noch dominant auf den Äußeren Hebriden (ausserhalb von Stornoway) sowie einigen Teilen der Insel Skye und Tiree. Überhaupt nennenswerte Zahlen von jungen Muttersprachlern wurden darüberhinaus noch auf Islay, Teilen von Mull sowie in Ardnamurchan und der Halbinsel Applecross in Wester Ross verzeichnet. Im restlichen ehemaligen Sprachgebiet war Gälisch nur Idiom der Eltern oder lediglich der Großeltern. Entsprechend ging die Zahl der Gälischsprechenden mit jeder Volkszählung zurück, bis 2001 nur noch 58.000 Sprecher gezählt wurden.

Mit dem steigenden Selbstbewusstsein von Teilen der Sprachgemeinschaft und dem Aufkommen liberalerer Bildungsansichten begann eine Gegenbewegung in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die es zumindest vermocht hat, den Rückgang der Sprache zu verlangsamen. So hat es die gälische Vorschulorganisation Comhairle nan Sgoiltean Araich (CNSA) vermocht, bis heute über 120 Spielgruppen einzurichten, in denen fast 2.000 Kinder gälischsprachig betreut werden. Die Sprache wurde in den Medien stetig präsenter, insbesondere durch den gälischen Radio-Service der BBC durch Radio nan Gaidheal. Im Fernsehen und den Printmedien konnte Gälisch allerdings nur sehr kleine Fortschritte erzielen. Mehr und mehr präsent wurde die Sprache allerdings durch viele zweisprachige Straßen- und Ortsschilder auf den Äußeren Hebriden, auf der Insel Skye und in Ardnamurchan. Die größten Fortschritte konnte Gàidhlig im Bildungsbereich erzielen in Form von gälischen Vorschulklassen und die langsame Einführung von Schulunterricht mit Gälisch als Unterrichtssprache, sogenannten "Gaelic medium units". Es gibt derzeit (2023/2024) 61 Grundschulen mit solchen (de facto zweisprachigen) Klassen mit über 3.900 Schülern. Davon sind sieben "stand-alone Gaelic schools", in denen es also ausschließlich Klassen mit gälischer Unterrichtssprache gibt. Ein großer Fortschritt angesichts der Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten, aber noch lange nicht ausreichend, um Gàidhlig eine gesicherte Zukunft zu gewährleisten. Ein besonders hartnäckiges Problem war bisher die unzureichende Zahl von geeignet ausgebildeten Lehrern, um den zahlreichen Wünschen von Eltern nachkommen zu können, ihren Kindern gälischsprachigen Unterricht zu ermöglichen. Mit den Aktivitäten des neuen schottischen Parlaments für einen "Gaelic Language Act" und der Gründung des für Sprachförderung zuständigen Bòrd na Gàidhlig mögen weitere Grundlagen gebildet worden zu sein, um der Sprache eine sicherere Zukunft zu bieten.

Census (Volkszählung)

Zahl der Gälisch-Sprecher

1891
1901
1911
1921
1931
1951
1961
1971
1981
1991
2001
2011
2022

254,415
230,806
202,398
158,779
136,136
95,447
80,978
88,892
79,297
65,978
58,652
57,602
69,701


Gàidhlig: Anzahl der Sprecher in Schottland lt. Census von 1891 bis 2022



"Die Sprache der Schotten ist die gleiche wie jene der Iren und unterscheidet sich sehr vom Englischen. Aber viele der Schotten sprechen auch Englisch wegen des Kontaktes, den sie miteinander an der Grenze besitzen."
Bericht des venezianischen Botschafters am schottischen Hofe um 1500


















"Ich sehe das Lehren der gälischen Sprache in Schulen in jeder Form als höchstmögliches Unglück an."
David Sime, Schulinspektor für Ross, Caithness und Sutherland 1878




















"Die Mehrheit der gälischsprachigen Eltern ist gegen die Verwendung des Gälischen gegenüber ihren Kindern; sie erschweren die Verwendung der Sprache, sodass die Kinder ein sehr unvollkommenes Englisch und kein Gälisch sprechen können. ... Je mehr Effizienz ich zeige im Gälischunterricht, desto mehr mache ich mich bei den Eltern unbeliebt. Sie sind gegen Gälisch, weil es Zeitverschwendung sei."
Meinung eines Grundschullehrers in Lochaber um 1936



















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Bis zum 1. Weltkrieg war Gälisch noch geläufige Alltagssprache im Hochland von Perthshire













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Gegenwart

Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Lage der Sprache noch immer prekär zu nennen. Der Rückgang scheint langsam zum Stillstand zu kommen, aber die Basis ist sehr klein geworden, um ohne sehr große Anstrengungen das Gälische als Umgangssprache in den letzten Rückzugsgebieten der Hebriden und innerhalb der Familien zu erhalten. Gemeinden mit gälischsprachiger Mehrheit sind jetzt auf die Äusseren Hebriden und das nördliche Skye beschränkt - etwa 20.000 Sprecher leben in Gebieten, in denen die Sprache in alltäglichem Gebrauch ist. Der Anteil fließend Gälisch sprechender Kinder auf den Äußeren Hebriden lag vor 20 Jahren bei gerade einmal 20 %. Aber ganz langsam steigen die Zahlen wieder. Nimmt man einmal die Schulstatistiken zur Hand, so erhalten pro Jahrgang in ganz Schottland fast 600 Kinder (Stand 2023-2024) ihren Schulunterricht in gälischer Sprache. Dies hat sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt, ist aber zu wenig, um den natürlichen Rückgang in der älternen Generation zu kompensieren. Trotzdem sind die Vorzeichen noch nie so positiv gewesen wie in der heutigen Zeit. Gälisch wird nicht mehr verschämt zuhause hinter verschlossenen Türen gesprochen. Es ist auch kaum noch Objekt spöttischer Kritik aus den Reihen der älteren gälischsprechenden Generation. Viele Tausende gehören zum Kreis derjenigen, die Gälisch erlernen wollen und dies auch in einem breitgefächerten Angebot von Lehrmaterial und Kursen erlernen können. Zweisprachige Beschriftungen für Straßennamen und Ortsschilder sind im westlichen Hochland und auf den Inseln eher die Regel als die Ausnahme geworden. Mit der Wiedererlangung eines eigenen schottischen Parlaments ergibt sich für die Schotten jetzt die einmalige (und wohl auch letzte Chance), einen wichtigen Teil ihrer nationalen Kultur zu retten. Zu Beginn des Jahres 2005 gaben die Gesetzgebungsaktivitäten zum "Gaelic Language Act" Gàidhlig den notwendigen Rückenwind dazu. Mittlerweile haben Eltern einen Rechtsanspruch darauf, dass sich bei genügend Interesse neue gälischsprachige Schulklassen bilden können.




Gàidhlig in Kanada

Die gälischsprachigen Einwohner Schottlands gehörten zu den größten Auswanderergruppen, die in die Neue Welt zogen. Anfangs gezwungen im Rahmen der "Highland Clearances", dann aus der wirtschaftlichen Not geboren, wanderten Generationen aus in alle Himmelsrichtungen des Britischen Weltreichs. Ein besonderes Kapitel war dabei die Besiedlung des östlichen Teils der späteren kanadischen Provinz Nova Scotia (Neu-Schottland) sowie der nahegelegenen Prince Edward Island, wo sich ganze Gemeinschaften aus dem gälischen Sprachgebiet niederließen. Besonders auf Eilean Cheap Breatuinn (Cape Breton Island) hielt sich Gàidhlig als Umgangssprache bis Anfang des 20. Jahrhunderts. 1891 gab es etwa 50.000 Sprecher des Schottisch-Gälischen in Alba Nuadh, wie Neu-Schottland in ihrer eigenen Sprache heisst. Die zahlreiche Sprachgemeinschaft in Kanada ermöglichte es sogar, dass dort mit Mac-Talla langezeit eine respektable gälische Zeitschrift erschien. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Landwirtschaft und den wirtschaftlichen Umwälzungen der 30er Jahre mussten viele Bewohner aber ihre Heimat verlassen - Gälisch verlor mehr und mehr den Rückhalt in den Familien. Im Census von 1931 wurden aber immer noch über 24.000 Bewohner Neu-Schottlands mit gälischer Muttersprache gezählt. 1941 war die Zahl bereits um 50 % geschrumpft. Trotzdem wurde insbesondere die musikalische Tradition weitergeführt und blieb in ihrer Qualität und Intensität dem schottischen "Mutterland" vergleichbar. Heute geht man davon aus, dass etwa 500 "Muttersprachler" des Schottisch-Gälischen verblieben sind und darüberhinaus mehr als 1.000 Einwohner fließend Gälisch sprechen. Einen kleinen Überblick über die historische Entwicklung gibt eine Abhandlung des Magazins Am Bràighe. Besonders detailliert ist natürlich "Gaelic Nova Scotia: An Economic, Cultural, and Social Impact Study" von Michael Kennedy; der Bericht (ISBN 0-88871-774-1) kann beim Nova Scotia Museum bezogen werden. Ausserdem sehr informativ ist die Abhandlung (ebenfalls in englischer Sprache) von John Shaw über die Geschichte des Gälischen auf Prince Edward Island.

Derzeit gibt es wieder bemerkenswerte Aktivitäten zur Stärkung und Wiederbelebung der Sprache. Im Jahre 2004 wurde das offizielle Strategiepapier "Leasachadh agus Glèidheach na Gàidhlig an Albainn Nuaidh" (Entwickeln und Bewahren des Gälischen in Neu-Schottland) veröffentlicht, um die diversen bestehenden Aktivitäten zielgerechter zu bündeln. Die englischsprachige Version dieses Dokumentes kann hier als pdf-Datei (150 KB) heruntergeladen werden. Einen Einblick in die aktuelle Entwicklung von Gàidhlig in der Neuen Welt vermittelt die Internet-Seite der "Gälischen Gesellschaft von Neu-Schottland" Comhairle na Gàidhlig, Alba Nuadh. Lesestoff aller möglichen Art bietet die Cape Breton Regional Library.








Zukunft

Derzeit ist Gàidhlig in der schottischen Öffentlichkeit präsenter als seit vielen Jahrhunderten nicht mehr. Es besteht generell eine positive Grundeinstellung der schottischen Bevölkerung gegenüber der Sprache. Auch die gegenwärtigen Anstrengungen des Schottischen Parlaments, mit einem "Gaelic Language Act" die Lage der Sprache zu verbessern, zeugen von dieser meist unverbindlichen, generellen Zustimmung (der offizielle Gesetzes-Text kann hier im pdf-Format (145 kb) heruntergeladen werden). Viele schottische Eltern (dies nicht nur im Hochland und auf den Inseln) wollen für ihre Kinder Unterricht in gälischer Sprache; die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches wegen der immer noch unzureichenden Zahl geeigneter Lehrer. Im Bildungsbereich ist dennoch der Fortschritt immens und man darf auf diesem Gebiet mit einer verstärkten Anstrengung auch für den Unterricht des Gälischen als Fremdsprache rechnen. Selbst das Medienangebot im Radio und Fernsehen wird sich wahrscheinlich noch ausweiten, nach aller Erfahrung wohl aber in sehr kleinen Schritten. Im Zentrum aller Bemühungen muss jedoch die Aufgabe stehen, vermehrt wieder mehr junge Erstsprachler des Schottisch-Gälischen zu vermelden. Die Zahl der Familien, in denen beide Elternteile und womöglich auch die Großeltern alle die Sprache beherrschen, ist heute nur noch sehr klein und bei weitem nicht ausreichend, Gälisch mittelfristig als Muttersprache zu erhalten. In diesem Zusammenhang liegt die größte Hoffnung nicht in den zweifelsohne wichtigen "Gaelic medium units", sondern in den Aktivitäten - analog zu den erfolgreichen Versuchen der Maori und Hawaiianer - Gälisch in den Familien zu stärken. Neueste Entwicklungen in der öffentlichen Förderung des Gälischen werden auf der Internetseite von Bòrd na Gàidhlig nachzuverfolgen sein.




"In vielen wenn auch nicht in allen Fällen übertrafen Schüler in "Gaelic-medium" die Resultate ihrer "English-medium"-Mitschüler; dazu gewannen sie den Vorteil, zwei Sprachen zu beherrschen."
Prof. Richard Johnstone im Fazit der Studie "The Attainments of Pupils Receiving Gaelic-medium Primary Education in Scotland", 1999

Weitere Informationen

Es gibt eine Vielzahl von Organisationen mit interessanten Internetseiten, deren Besuch von Zeit zu Zeit lohnen sollte. Neben Bòrd na Gàidhlig ist derzeit auch noch die Vorläufer-Organisation Comunn na Gàidhlig aktiv, deren Informationen doch teilweise erwähnenswert sind. Aktuelle Nachrichten sind unter Radio nan Gaidheal zu erhalten, aber auch das englischsprachige Angebot ist empfehlenswert.

Eine ganze Reihe von staatlichen und privaten Institutionen oder Gruppen sind mit einer Vielzahl von Aktivitäten im gälischsprachigen Bildungsbereich beschäftigt. Die (ehrenamtliche) Comhairle nan Sgoiltean Araich (CNSA) war Wegbereiterin der gälischsprachigen Vorschulgruppen Cròileagan (Spielgruppe) und Pàrant is Paisde ("Mutter und Kind"- Gruppe) und ist auch weiterhin sehr aktiv im Aufbau und der Betreuung von Gruppen für Kinder im Alter von einem bis zu vier Jahren. Seitdem Vorschulklassen für alle Kinder zwischen drei und vier Jahren staatlicherseits angeboten werden, ist der klassische Kindergartenbereich der Sgoiltean Araich (Nurseries) jetzt aber in den Verantwortungsbereich der schottischen Kommunalparlamente hineingewachsen. Dort liegt auch die Entscheidung über die Ausbildung in "Gaelic medium"-Klassen. Die meisten dieser "Gaelic medium units" gibt es in den Gebieten der Kommunalparlamente von Comhairle nan Eilean (Äussere Hebriden), Comhairle na Gaidhealtachd (Highland Council) sowie Comhairle Earra-Ghaidheil agus Bhòid (Argyll & Bute Council). Der Elternverband für Kinder in GME (Gaelic medium education) Comann nam Pàrant setzt sich für eine größere Anerkennung dieser Schulform und eine größere Verlässlichkeit im Angebot des schottischen Bildungswesens ein. Ausserschulische Aktivitäten für Grundschüler unternehmen die Sradagan-Gruppen. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Web-Adresse der Comunn Gàidhlig Inbhir Nis, der Gälischen Gesellschaft von Inverness mit allgemeinen Informationen, ihren lesenswerten "Transactions" und einer reichhaltigen Liste von Links.

Weiterführende Bildungsangebote bieten neben den Universitäten insbesondere Sabhal Mòr Ostaig auf An t-Eilean Sgitheanach (Insel Skye) und seit 2002 auch das Iomairt Chaluim Chille Ile (St. Columba Initiative Islay) auf der Insel Ile (Islay) an. Detaillierte Informationen zum gälischen Alltag sind auch im "virtuellen gälischen Dorf" Am Baile zu finden.

Tipps für Sprachschüler sind in unserer Rubrik Lernen enthalten. Dabei besonders zu empfehlen ist natürlich schottisch-gaelisch.de.


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